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Bäckereien in Münster setzen auf Brötchen, die „lecker und fair“ sind

Münster: 30 Bäckereien mit 1.660 Beschäftigten
9. April 2026

Öfter mal zur Bäckerei um die Ecke: „Die rund 30 Bäckereien und ihre Filialen in Münster können mehr Kundschaft gebrauchen“, sagt Helge Adolphs von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Der Geschäftsführer der NGG Münsterland warnt vor einer „Kunden-Ebbe“ bei Bäckereien in der Stadt.

„Mit dem Run auf die Brotregale beim Discounter setzen die Menschen die Backtradition aufs Spiel. Schon in den ersten Wochen dieses Jahres sind in vielen Bäckereien in Münster weniger Brote und Brötchen, weniger Torten, Kuchen und süße Teilchen über den Verkaufstresen gegangen“, so Helge Adolphs. Das mache Bäckereien wirtschaftlich zu schaffen. Es gehe jetzt darum, den „Trend zur Tradition des Bäckerhandwerks“ neu zu beleben. 

Für viele Kunden sei dabei „das gute Gewissen, Bewährtes zu erhalten und fair bezahlte Arbeit in Münster zu unterstützen“, ein wichtiger Punkt. „Wer beim Bäcker um die Ecke kauft, kauft fair und lecker“, so Helge Adolphs von der Bäckerei-Gewerkschaft. So gebe es ab April ein Lohn-Plus: „Bäckergesellen und Fachverkäuferinnen bekommen ab diesem Monat 45 Cent pro Stunde mehr. Sie haben damit am Monatsende 75 Euro zusätzlich auf dem Lohnzettel“, sagt Helge Adolphs. Darauf hätten sich die Bäckerei-Gewerkschaft NGG und der Bäckerinnungsverband West am Tariftisch verständigt. Auch wer ohne Ausbildung zum Beispiel am Verkaufstresen bediene, bekomme 25 Cent pro Stunde mehr und habe damit monatlich ein Plus von knapp 42 Euro. 

Zudem würden alle Beschäftigten in Bäckereien eine Einmalzahlung bekommen. Wer einen Vollzeitjob mache, erhalte für die Monate Februar und März eine steuerfreie Zahlung von insgesamt 100 Euro. Auf die aktuellen Preise für Brot und Brötchen werde sich der Tarifabschluss allerdings kaum auswirken. „Es gibt also keinen Grund, der Bäckerei den Rücken zu kehren. Im Gegenteil: Fairer Lohn und gute Handwerksqualität sollten es wert sein, beim Bäcker um die Ecke zu kaufen“, ist Helge Adolphs überzeugt. 

Ohnehin seien Bäckereien – auch beim Lohn – „sehr bodenständig“: „In Münster geht keiner mit einem Stundenlohn unter 14,10 Euro nach Hause, wenn er in einer Bäckerei arbeitet, die ordentlich bezahlt“, sagt Adolphs. Ein junger Bäckergeselle verdiene sogar 16,39 Euro pro Stunde. Und eine Fachverkäuferin komme gleich nach ihrer Ausbildung auf immerhin 15,32 Euro, so die NGG Münsterland. 

Die Bäckerei-Gewerkschaft NGG Münsterland spricht von einem „fairen, frisch gebackenen Handwerkslohn“, der die Jobs in den Backstuben und an den Ladentheken in Münster attraktiv halte. „Immerhin geht es auch darum, die Beschäftigten im Bäckerhandwerk bei der Stange zu halten. Vor allem aber auch, um junge Menschen zu gewinnen, damit die sagen: ‚Wir backen’s‘“, so NGG-Geschäftsführer Helge Adolphs. Insgesamt arbeiten nach Angaben der Gewerkschaft in den Bäckereien in Münster rund 1.660 Beschäftigte. Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.