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„Laden-Alarm“ für Bäckereien in Münster: Ohne Lohn-Plus laufen Bäckermeistern die Verkäuferinnen weg

Münster: 28 Bäckereien mit 1.660 Beschäftigten
13. März 2026

Mehr Brötchen verdienen: Die rund 1.660 Bäckerei-Beschäftigten in Münster sollen alle am Monatsende mehr Geld auf dem Lohnzettel haben. Das fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „1 Euro mehr pro Stunde – für jeden Bäcker und auch für jede Verkäuferin. Denn es wird höchste Zeit, dass es für den Verkauf im Laden das gleiche Lohn-Plus gibt wie fürs Backen am Ofen“, sagt Helge Adolphs von der NGG Münsterland.

In der laufenden Tarifrunde für das Bäckerhandwerk Nordrhein-Westfalen geht es der Gewerkschaft vor allem darum, dass „die Verkaufstresen in den 28 Bäckereien und deren Filialen in Münster nicht verwaisen“. Denn die NGG schlägt „Laden-Alarm“: „Mit Billiglöhnen werden es die Bäckereien in Münster demnächst nicht mehr schaffen, ihre Ladentheken zu besetzen. Tatsächlich haben die Arbeitgeber für angelernte Verkäuferinnen, für Helfer in Produktion und Verwaltung und für Bedienungen in den Cafés, die frisch dabei sind, einen Stundenlohn angeboten, der gerade einmal 20 Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro liegt. Im nächsten Jahr soll der Abstand zum Mindestlohn dann sogar nur noch 10 Cent betragen. Wenn das ihr Ernst ist, dann laufen den Bäckermeistern die Verkäuferinnen weg“, sagt Helge Adolphs, der auch Verhandlungsführer der NGG in der nordrhein-westfälischen Bäcker-Tarifrunde ist.

Immerhin sei die Arbeit in Bäckereien kein „08/15-Job“: „Da werden Allroundtalente gebraucht“, so Helge Adolphs. Brot, Brötchen, süße Teilchen und Kuchen zu verkaufen, erfordere Beratung und oft genug auch „starke Nerven, wenn der Laden zu Stoßzeiten rappelvoll“ sei. „Gerade der Job am Bäckereitresen ist ein Mix aus Ernährungsberatung und Kummerkasten. Es geht um guten Service. Denn an der Ladentheke wird der Umsatz gemacht“, so NGG-Geschäftsführer Adolphs. Fachverkäuferinnen seien früh auf den Beinen. „Zur Arbeit gehört oft auch das Schmieren von Brötchen für den Verkauf auf die Hand. Genauso das Frühstückmachen und das Ausschenken von Kaffee, Tee, Cappuccino & Co.“, so Adolphs.

Der Geschäftsführer der NGG Münsterland appelliert an die Bäckermeister in der Stadt, Druck auf den Bäckerinnungsverband West zu machen. Dieser müsse bei der dritten Verhandlungsrunde in der kommenden Woche (Hinweis f.d. Red.: Dienstag, 17. März) „endlich ein ordentliches Angebot auf den Tisch legen“. „Andernfalls werden mehr und mehr Beschäftigte den Bäckereien in Münster den Rücken kehren“, warnt Helge Adolphs von der Bäckerei-Gewerkschaft. Besonders für den Bäckerei-Nachwuchs sieht der Geschäftsführer schwarz: „Wenn Fachkräfte nach dem Willen der Gegenseite gerade einmal 35 Cent mehr verdienen sollen, hat das eine verheerende Signalwirkung für potenzielle Azubis. So lässt sich kein Zuwachs an Fachkräften gewinnen, der ohnehin schon seit Jahren wegbricht. Das ist nicht tragbar für die Zukunft der Branche.“