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Rein und raus aus Münster: 133.300 Beschäftigte pendeln
Kritik an Ticket-Preisen: „4 Stunden Arbeit zum Mindestlohn für 1 Stunde Bahnfahrt“
Viele fahren rein, viele aber auch raus: 98.580 Beschäftigte kommen nach Münster, um hier zu
arbeiten. Und umgekehrt wohnen 34.720 Menschen in Münster, haben ihren Job aber woanders.
Das geht aus der aktuellen Pendler-Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. Die Zahlen der
Ein- und Auspendler, die über die Stadtgrenze fahren müssen, um zur Arbeit zu kommen, greift
jetzt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten auf. Für die NGG Münsterland sind längere
Arbeitswege ein „Co-Faktor beim Job, der Zeit, oft Nerven und vor allem auch Geld kostet“.
Die Gewerkschaft warnt: „Hohe Spritpreise belasten viele Privathaushalte in Münster. Dabei reißen
gerade auch die Fahrten zum Arbeitsplatz Löcher in die Haushaltskassen. Vor allem dann, wenn
Berufspendler dabei aufs Auto angewiesen sind. Geringverdiener trifft das besonders hart. Erst
recht, wenn sie nur den Mindestlohn verdienen“, sagt Helge Adolphs. Der Geschäftsführer der NGG
Münsterland spricht sich deshalb für ein „Mobilitätsgeld“ aus: 17 Cent je Kilometer sollen, so die
Gewerkschaft, jedem Pendler sofort und unabhängig von der Höhe des Einkommens einheitlich vom
Staat ausgezahlt oder beim monatlichen Lohnsteuerabzug verrechnet werden.
„Solange das Mobilitätsgeld noch auf sich warten lässt und die Spritpreise nicht wieder deutlich
fallen, muss ein Wegegeld-Zuschuss für Job-Pendler Thema in den Betrieben sein. Viele fahren eine
Dreiviertelstunde, manche sogar eine Stunde oder länger“, so Helge Adolphs. Er kündigt an, die
Betriebe in Münster bei Fahrtkosten stärker in die Pflicht nehmen zu wollen: „Das fängt bei den 63
Euro pro Monat fürs Deutschland-Ticket an. Und das geht über ein konkretes Wegegeld bis zum
günstigen oder freien ‚Stromtanken‘ an der Ladesäule für E-Autos auf dem Firmengelände“, so Adolphs.
Die Gewerkschaft werde die Kosten für Mobilität künftig stärker bei Tarifverhandlungen zum Thema machen.
Außerdem kritisiert die NGG Münsterland „die zum Teil saftigen Preise für Bahn-Tickets“: „Wer ohne
Bahncard oder rechtzeitig ergattertem Super-Sparpreis in den Zug steigen muss, der wird kräftig zur
Kasse gebeten. Vor allem beim Fernverkehr haut das richtig rein“, so Helge Adolphs. Für untere und
selbst mittlere Einkommen grenze das Bahnfahren an „Mobilitätsluxus“. Der Geschäftsführer der NGG
Münsterland kritisiert: „Wer nur den gesetzlichen Mindestlohn verdient, dem kann es passieren, dass
er im Fernverkehr der Deutschen Bahn für eine Stunde Zugfahrt vier Stunden arbeiten muss. Oder
sogar mehr. Und dabei geht es um eine Bahnfahrt in der 2. Klasse, versteht sich“, so Adolphs.